Lysmata wurdemanni, bogessi und seticaudata

Lysmata wurdemanni

Vorkommen: Brasilien und Karibik
Sie erreicht eine Länge von ca 6-7cm.

Lysmata wurdemanni gilt zu Recht als ausgezeichneten Glasrosenfresser. Nach unseren Erfahrungen sind diese Garnelen (auch die Nachzuchten) die zuverlässtigsten aus dem gesamten Pepermintshrimp-Komplex. Natürlich fressen auch die L. boggessi und die L. seticaudata und zweifellos auch andere Glasrosen, aber lange nicht so gierig und zuverlässig wie eben die "echte" L. wurdemani.
Da viele dieser Garnelen sehr ähnlich aussehen werden vielmals, teils bewusst, teils unbewusst einfach als Lysmata wurdemanni verkauft. Am häufigsten werden aber die Lysmata boggessi unter falschem Namen gehandelt.
Vergleicht man jedoch unsere Bilder sind doch klare Unterschiede erkennbar:

Die Lysmata wurdemanni ist klar rot-weiss gestreift / gemustert.

Lysmata boggessi

Lysmata boggessi – sie hiess bis vor ein paar Jahren noch Lysmata rathbunae – erreicht eine Carapaxlänge von 5 bis 6 cm. Sie ist im gemässigten nordlichen Westatlantik und in der Karibik anzutreffen. Die Tiefenverbreitung aufgrund der Literatur beträgt 9 bis 120 m.

Man kann sie sehr gut an der anderen Zeichnung erkennen sowie an dem dunkleren Telson (Schwanzfächer).

Lysmata seticaudata

Lysmata seticaudata ist eine Putzergarnele, die im Mittelmeer und auch im Nordatlantik lebt . Die Carapaxlänge beträgt 3,5 bis 4 cm. Ihr Farbmuster ist recht plakativ. Ihre weissen Striche sind nicht einfach gerade, sondern unregelmässig dick und zum Teil unterbrochen. Sie lebt in Höhlen, Spalten und Löchern und man findet sie bis in Tiefen von 60 m. Aufgrund ihres Herkunfthabitats ist es selbsterklärend, dass diese Garnele es wassertemepraturmässig ein bisschen kühler mag. Sie ist keine begeisterte Glasrosenfresserin. In einem gut mit Lysmata seticaudata besetzten Becken mit Glasrosen musste ich Aeolidiella stephanieae (früher Berghia verrucicornis) nachsetzen, damit die Glasrosen eliminiert werden konnten.

Zuchtprozedere

Ob jetzt Lysmata wurdemanni , Lysmata boggessioder Lysmata seticaudata gezüchtet werden, das ganze Zuchtprozedere verläuft ähnlich oder genau gleich – ausgenommen die Dauer von der Larve bis zur Metamorphose.

Diese Garnelen sind protandrische Simultanhermaphroditen. Das heisst nichts anderes als dass sie zwittrig sind. Sie können sowohl als Männchen als auch als Weibchen funktionieren. Daher kann man einfach zwei oder mehrere Tiere zusammensetzen und man wird mit höchster Wahrscheinlichkeit viele Larven bekommen.
Unmittelbar nach der Häutung funktioniert die Garnele erst mal Weibchen und kann befruchtet werden. Diese Garnele kann dann wiederum eine andere, frisch gehäutete Garnele befruchten. Der ganze Begattungsakt hat sich mal vor meinen Augen abgespielt. Aber das ging so rasend schnell in einem fast dunklen Aquarium, ich kann es fast nicht beschreiben. Es war nur eine extreme Nervosität unter den Garnelen erkennbar, dann eine Garnele, die sich praktisch fast gefaltet hat und dann plötzlich die leere Hülle im Becken liegend und zwei Garnelen, die kurz aneinandergeklebt waren…..aber ich weiss nicht mehr wie sie aneinandergeklebt sind, es ging einfach viel zu schnell. Hier mal Bildervon Garnelen, die kurz vor der Freisetzung ihrer Larven stehen.

Larvengewinnung

Nach dem Freisetzen der Larven werden diese mit einer Taschenlampe in eine Ecke des Aquariums gelockt, da sie phototrop veranlagt sind funktioniert das ausgezeichnet. Von dort werden sie dann mit einem Silikonschlauch mit einem Innendurchmesser von 7mm in einen Eimer abgesogen. Anschliessend kommen sie in das Aufzuchtbecken, welches mit einem kleinen Heizstab und Luftschlauch ausgerüstet ist.

Erste Fütterung

Gleich danach, spätesten am nächsten Morgen bekommen sie frisch geschlüpfte Artemianauplien bester Qualität, wir benutzen ausschliesslich die AF430 von INVE.

(diese Larve ist allerdings schon etwas älter)

Tägliche Arbeiten

Fütterung: frisch geschlüpften Artemianauplien

Wasserwechsel: Dabei werden Nährstoffe und ältere Artemianauplien entfernt. Hohe Nitrat- und Phosphatwerte erhöhen die Sterblichkeitsrate enorm.

Bodenreinigung: Da kommt wieder der zweckentfremdete Tetra-Glasschaber zum Zuge. Immer das Wasser in einen Kübel absaugen. So kann man mit abgesogenen Garnelenlarven wieder zurück bringen. Dazu den Kübel einfach eine Zeitlang stehen lassen, damit sich der Dreck absetzen kann. Dann findet man auch die Larven und kann sie mit einem kleinen Messbecher wieder ab sammeln.

Tip: Um die Wasserqualität zu verbessern, kann auch mit der Greenwatertechnik gearbeitet werden. Das heisst, dem Wasser wird nur soviel Algensuspension (z.B. Nannochloropsis salina) zugegeben, dass das Wasser leicht grün ist. Algen nehmen Nitrat und Phosphat auf und helfen bei der Verbesserung der Wasserqualität. Es kann nachts jedoch Sauerstoffmangel entstehen, daher immer darauf achten, dass der Lufteintrag sicher gewährleistet ist.

Wassertemperatur: 24°-26°C
Salinität: 34.6 ‰ bis 34.8 ‰
Beleuchtungdauer: 10 Std./Tag mit Dämmerungsphase
Beleuchtungsart: LED weiss/blau gedimmt
Wasserwechsel: täglich
Beckenreinigung: bei Bedarf

Häutungen

Wenn nun alles wunschgemäss funktioniert durchlaufen die Larven mehrere Stadien, welche immer durch eine Häutung eingeleitet wird.

Die erste fertige Garnele

Sobald die Pleopoden gut sichtbar sind dauerts nicht mehr lange bis zur Metamorphose und man findet eines Morgens die erste umgewandelte Garnele irgendwo am Boden oder den Scheiben sitzend. Und täglich werden es dann mehr, bis keine Larve mehr im freien Wasser treibt.

Bei den Lysmata wurdemanni und boggessi dauerte die Zeit zwischen Larvenfreisetzung bis zur Metamorphose bei mir zwischen 35 und 45 Tage. Bei den L. seticaudatas geht es ein wenig schneller, nämlich 28 bis 35 Tage.

Kindergarten

Die umgewandelten Garnelen werden in ein kleines "richtiges" Aquarium umgesetzt. Dort suchen sie sich dann meist unter und zwischen den Steinen ihren Unterschlupf.

Von jetzt an kann man sie mit allem möglichen füttern. Kleines Frostfutter wie z.B. Lobster- und Fischeier oder Artemia, aber auch Flocken und Granulatfutter wird gerne genommen.
Und wenn sie schon etwas grösser sind, so ab ca. 2cm, bereits auch schon mit kleinen Glasrosen! (siehe Film)