Amphiprion Ocellaris

Dieser Bericht entstand im Januar 2006! Die ersten Zuchtversuche mit einigem Erfolg machten wir aber bereits Ende 2003. Auch heute machen wir das meiste hier beschriebene noch genau gleich. Lediglich die Zuchtanlage wurde neu aufgebaut.

Als ich im August 2000 mit der Meerwasser-Aquaristik anfing war es meine feste Absicht, Anemonen und ihr Symbiose-Partner zu pflegen. Ein Jahr nach Beginn war es dann endlich soweit und ich konnte die heutige Anemone einsetzen. Vorher hatte ich auch schon einmal eine Anemone mit weissen Tentakeln und leuchtend rotem Fuss und 7 Anemonenfische eingesetzt. Diese Anemone hatte meine Clownies aber zum Fressen gern, auf deren Konto geht auch noch die eine oder andere Putzergarnele! Die Anemone verstarb dann aber jedoch und ich musste von vorne beginnen. Ich musste aber die Erfahrung machen, dass es nicht ratsam ist eine grössere Gruppe von Clown's zusammen zu halten (obwohl man in der Natur immer Anemonen sieht, die ganze Horden von Fischen beherbergt). Es war einfach immer so, dass nur zwei die Anemone beanspruchen, alle andern werden tagsüber verjagt. Die Nacht durften aber alle in der Anemone verbringen. Auf Grund dieser Erfahrung brachte ich dann die überzähligen anlässlich der Beckenvergrösserung zum Händler.

Fazit: Im Aquarium immer nur ein Pärchen pro Anemone halten.

Krankheit: Der Amphiprion ocellaris ist ein sehr robuster Fisch, der zusammen mit einer Anemone leicht zu halten ist.

Nahrung: Artemiaflocken, Granulat, jegliches Gefrierfutter

Verhalten: Wenn man das Glück hat, dass diese Fische die für sie richtige Anemone vorfinden, ist es sehr interessant diese beim Treiben in den Tentakeln zu beobachten, sie verlassen ihre Anemone nur kurz um die vorbeitreibenden Fresshappen zu erhaschen. Gerne wird häufig abgelaicht und Nachzuchten sind möglich, nicht aber in Gesellschaftsbecken.

Da die Heteractis magnifica im neuen Aquarium keinen Platz mehr fand (sie wanderte dauernd umher) habe ich sie dann zusammen mit ihren Bewohnern in ein kleines Artenbecken umgesiedelt.

11.12.2003 Nach nur 11 Tagen im neuen Heim haben meine zwei schon wieder ein Gelege gemacht! Jetzt wird's noch interessanter diesen Zweien zuzuschauen!

Dieser Bericht soll aufzeigen, dass es jedem engagierten Meerwasseraquarianer möglich ist, den Amphiprion ocellaris mit relativ wenig Aufwand selbst zu züchten. Entgegen einschlägigen Meinungen haben wir einen Weg gefunden, zumindest diesen Clownfisch ohne den Einsatz von Phytoplankton gross zu ziehen. Denn der grösste Aufwand bei der Zucht von marinen Tieren ist zweifellos die Bereitstellung des geeigneten Futters. Der Ersatz des Phytoplankton durch Selco-Produkte erleichtert somit die ganze Zucht erheblich. Es liegt uns sehr daran hier eine lückenlose Beschreibung zu geben, damit sich schon beim ersten Zuchtversuch Erfolg einstellen kann.
Der erste Teil des Berichtes ist den Anemonenfischen im Allgemeinen und ihren Wirten, den Amemonen, gewidmet.
Der zweite Teil befasst sich ausführlich mit der Beschreibung unseres Vorgehens bei der Zucht.

Einteilung und Grösse

Amphiprion ocellaris ist einer von 28 Clownfischarten die in zwei Gattungen aufgeteilt sind.
Der einen Gattung ist lediglich eine Art zugeordnet; nämlich der Premnas biaculeatus.
Alle andere 27 sind der Gattung Amphiprion zugeordnet und gehören der grossen Familie der Riffbarsche an.

Amphiprion ocellaris

Die Amphirion ocellaris sind mit 8-11cm (je nach Quelle) einer der kleinbleibenden Clownfische und somit für unsere Heimaquarien schon deshalb ideal.

Die grössten

Der grösste wird übrigens mit bis zu 17cm angegeben. z.B. der A. chrysopterus oder auch der bereits erwähnte Premnas biaculeatus (Bild rechts).

Zudem ist ja weit herum bekannt, dass sie auch im Gesellschaftsaquarium sehr tolerant sind gegenüber anderen Fischen. Mit anderen Worten: es interessiert sie nicht, was da sonst noch herumschwimmt, ausser sie haben gerade ein Gelege. Wobei nur in den seltensten Fällen innerartlich mehr als ein Paar pro Aquarium geht.

Verbeitungsgebiet

Die Ocellaris besiedeln ein riesiges Gebiet, welches sich westlich von der Andaman Sea (vor Burma/Thailand) wo er häufig anzutreffen ist, bis südöstlich zur Nordwestküste von Australien und nördlich bis zu den Ryukyu Islands(nordöstlich von Taiwan) erstreckt (aufgehellte Zone).

Symbiose oder was?

Als Symbiose bezeichnet man in unserem Sprachgebrauch das Zusammenleben zweierverschiedener Lebewesen wo jeder vom andern profitiert. Gemäss Definition ist dies aber nicht ganzrichtig, denn Symbiose heisst lediglich Zusammenleben ohne gegenseitige Vorteile. Im Falle des Zusammenlebens von Anemonen und Amphiprion’s sind wir mittlerweile der Meinung, dass lediglich der Fisch in Form des Schutzes durch die Nesselgifte der Anemonen Vorteile besitzt. Das viel zitierte Verteidigender Anemonen durch die Fische gründet, so glauben wir mittlerweile lediglich auf dem Verteidigen ihres eigenen Laiches! Denn diverse Beobachtungen zeigen, dass sogar Anemonen zerfetzt wurden, um einemfremden Artgenossen den Schutz durch die Anemone zu entziehen. Dies passiert aber nur wenn es geradekeinen Laich zu pflegen gilt. Auch gibt es Beobachtungen wo Amphiprion’s einfach in die nächste Anemone umgezogen sind als ein Fressfeind ihre Anemone attackierte. Zu guter Letzt zeigt auch die Tatsache, dass eine Anemone sehr gut ohne die Fische überleben kann, ein Amphiprion ohne Anemone jedoch zumindest in der Natur wohl keine echte Chance hat, dass wir nicht von einer Symbiose im verstandenen Sinne sprechen können.

   

Natürliche Partner

Im Verbreitungsgebiet werden je nach Vorkommen die Heteractis magnifica, die Stichodactyla gigantea und Stichodactyla mertensii bewohnt. Diese Anemonen werden einerseits nicht häufig angeboten und/oder sind anderseits als wahre Wandervögel zu bezeichnen. Die Magnificas zum Beispiel lieben es, sich an den Aquarienscheiben nieder zu lassen, wenn man ihnen die Möglichkeit dazu bietet. So liegt es nahe, dass Alternativen gesucht und auch gefunden werden. Dazu im Anschluss an die natürlichen Partner mehr.

Eines ist sicher, Anemonenfische gehören naturgemäss in eine Anemone, auch in unseren Aquarien, aber welche soll’s denn nun sein!

Heteractis magnifica

Diese angestammte Anemone kennen wir als echten Wandervogel in unseren Becken. Meist sucht sie sich an den Scheiben knapp unter der Wasserlinie ihr „Zuhause“. Diesem kann man entgegenwirken indem man versucht sie auf eine freistehenden Riffsäule an zu siedeln. Diese wird sie nie verlassen, weil sie nicht über Sand gehen will oder kann (?).

Stichodactyla gigantea

Die Sichodactyla gigantea werden zu den sogenannten Teppichanemonen gezählt. Man erkennt sie daran, dass sie dicht stehende, relativ kurze und dünne Tentakel über die ganze Scheibe verteilt besitzt. Ein weiteres Merkmal: Ohne Strömung kann man sehen, dass sie fähig ist einzelne Tentakel zubewegen. Sie besitzt eine sehr starke Klebkraft, dass man ihr auch Tentakel aus reisst, wenn man sie nur berührt. Dies heisst jedoch nicht zwingend, dass sie auch sehr stark nesseln muss. Auch sie vollzieht von Zeit zu Zeit sehr gerne einen Standortwechsel. Sie wird entgegen ihrem Namen nicht gigantisch gross. Wir besitzen ein Exemplar mit ca 25-30cm Durchmesser.

Stichodactyla mertensii

Diese Anemone kann mitunter für unsere Becken einfach zu gross werden. Selbst haben wir keine Erfahrungen mit dieser Art. Auch werden sie im Handel eher selten angeboten. Sie wird gerne auch mit der S. gigantea verwechselt. Ihre Tentakel stehen jedoch nichtganz so dicht und man kann die reihige Ausrichtung der Tentakel erkennen.

Andere mögliche Wirtsanemonen

Da die Amphiprions nicht auf Ihre angestammten Anemonen angewiesen sind ist es möglich, sie auch mit anderen Anemonen zu vergesellschaften.

Regelmässig im Handel angeboten werden folgende Anemonen:

Heteractis crispa

Diese Anemone hat sich bei uns als eine der idealsten erwiesen. Dies hat mehrere Gründe. Einerseits ist ihre Wanderfreudigkeit nicht sehr ausgeprägt, was nicht heissen soll, dass sie nicht wandert. Anderseits wird sie von den Amphiprion sehr gerne angenommen. Man erkennt sie an den meist spitz auslaufenden Tentakel mit violettem Ende. Am äusseren Rand der Mundscheibe stehen die Tentakel sehr dicht. Gegen das Zentrum hin stehen sie etwas lichter. Auf der Unterseite der Mundscheibe hat sie unregelmässig angeordnete Warzen und ist in zusammen gezogenem Zustand sehr fest (lederig) anzufassen.

Wohl eine der am häufigsten im Handel vertretenen Art. Hier ein sehr typisches Bild, was ihr auch den Namen „BlasenAnemone“ eingebracht hat. Es gibt aber sehr unterschiedliche Erscheinungsformen, was die Bilder zeigen. Dies ist wohl die einzige Anemone, welche sich in unseren Aquarien regelmässig durch Teilung selbst vermehrt. Auch die Färbung muss in keinster Weise diesen Fotos entsprechen. Ebenso sind sie in grün oder braun anzutreffen.

Achtung

Beim Kauf ist unbedingt darauf zu achten, dass man keine weisse oder frei im Beckentreibende Anemone ersteht (linkes Bild). Die Überlebenschance von ausgeblichenen Crispa’s ist sehr klein. Die hier abgebildete ist nachmehreren Monaten trotz „gesundem“ Aussehen gestorben.
Gelegentlich werden auch gefärbte Crispa’s angeboten (rechtes Bild). Vom Kauf ist dringest abzusehen, denn solche geschwächte Tiere überleben in den seltensten Fällen, wenn überhaupt! Die hier abgebildete ist ja schon nicht mehr ohne weiteres als Heteractis crispa zu erkennen.

Macrodactyla doreensis

Die Macrodactyla doreensis wird auch als Rotfuss- oder Korkenzieher-Anemone bezeichnet. Man erkannt sie dann auch, weil sie ihre Tentakel sehr oft einem Zapfenzieher ähnlich ringelt. Rote Füsse sind jedoch eher selten im Handel. Die Tentakelanordnung gleicht ein bisschen derer der H. crispa. Am äusseren Rand der Mundscheibe stehen sie ebenfalls ziemlich dicht, gegen das Zentrum hin sind es aber sehr viel weniger als bei einer Crispa. Diese Anemonen siedeln meist in der Grenzzone zwischen Sand und Stein. Sie zwängt ihren Fuss regelmässig unter die Steine halb im Sand vergraben. Somit ist die Gefahr einer Vernesselung von Korallen etwas gedämmt.

Entacmea quadricolor

Zuchtpaar

Hat man das Glück ein harmonisierendes Zuchtpaar zu besitzen, braucht es eigentlich nicht viel eigenes Zutun und man hat alle 10 bis 14 Tage ein Gelege. Es reicht vollkommen das Paar abwechslungsreich mit verschiedenstem Futter zu versorgen. Es sind ja wahrlich Allesfresser, jegliches Flocken-, Granulat-, und Gefrierfutter wird gierig verschlungen. Gelegentlich werden jedoch auch längere Laichpausen eingelegt, wovon dies abhängig ist entzieht sich jedoch unserer Kenntnis.

Allgemeiner Zuchtbeschrieb

Wir wollen hier klar zum Ausdruck bringen, dass folgendes nicht der Weisheit letzter Schluss ist. Es ist einfach dazu gedacht, dass es jedem Interessierten einen möglichen Weg aufzeigt, mit welchem es möglich ist seine eigene kleine Zuchtstation erfolgreich zu betreiben.

Artenbecken

Das Artenbecken sollte mindestens 80 Liter fassen und kann wie ein ganz normales Riffbecken mit lebenden Steinen, Abschäumer, Strömungspumpe und ev. Schnellfilter betrieben werden. Sicherer ist es jedoch, wenn man die Möglichkeit hat ein solches Becken im Kreislauf mit einem grossen Hauptbecken zu betrieben. Ein separates Artenbecken bringt für die erfolgreiche Zucht einige nicht zu verachtende Vorteile. Der grösste ist wohl die Zeit. Mit dem Abschöpfen können wir nämlich zuwarten bis alle Larven geschlüpft sind ohne dass uns irgendwelche Fressfeinde zuvor kommen.

Auzuchtbecken

Als Aufzuchtbecken eignen sich Normbecken mit maximal 25 Liter Volumen. Grösser hat keinen Sinn, da sowohl der Verbrauch an Brachionus, als auch der Reinigungsaufwand unverhältnismässig steigt. Es wird mit einer kleinen Heizung und Luftzuführung ausgestattet. Wir beleuchten mittlerweile jedes Becken mit einer AI Nano.

Teenagerbecken

Dieses Becken wird als normales Artenbecken betrieben und sollte minimal etwa 120-150 Liter fassen. In solch einem Becken können sich ohne Probleme ca. 120 Jungfische von 2-3 cm tummeln.

Wasserwerte

Es sind die üblichen in der Meerwasseraquaristik geltenden Werte anzustreben.

- Nitrit = nn

- KH = 7-9 mg/l

- Ca = 400-450 mg/l

- Mg = 1300-1350 mg/l

NO3 und PO4 werden im Artenbecken wohl kaum zum Problem werden.

Die Calcium- und Magnesiumwerte für ein gutes Kalkalgenwachstum sollten deshalb eingehalten werden, da die Fische gerne auf solchen Flächen ablaichen.

Dies ist jedoch nicht zwingend notwendig, weil sie auch auf Steinen, Glasscheiben oder Kacheln und Tontöpfen ablaichen.

Das Ablaichen

Dies erfolgt meist in den späten Nachmittagsstunden. Am Tage zuvor wird meist schon mit der Reinigung des Laichplatzes begonnen. Diesen suchen sie sich in der Nähe auf einem flachen Stein nahe des Fusses der Anemone aus. Erst streicht das Weibchen mit der ausgefahrenen Legeröhre über den Stein und setzt Ei für Ei punktgenau auf den Stein. Wie dies zu schaffen ist, ist mir noch heute in Rätsel, auch nach mehrfachem Beobachten. Anschliessend werden sofort vom Männchen die bereits vorhanden Eier befruchtet. Dieser Vorgang wird so oft wiederholt, bis ein vollständiges Gelege von meist etwa 5 cm Durchmesser entstanden ist. Ca. 1 bis 1 ½ Stunden dauert der ganze Vorgang.

Laichentwicklung

Wie auf dem 1. Bild schön zu sehen ist erstrahlt der Laich am ersten Tag in schönem Orange aber schon am zweiten Tag verliert er diese Färbung zusehends und beginnt sich gegen bräunlich zu verändern. Unbefruchtete Eier (weiss) bekommt man nie zu sehen, solange das Männchen die Brutpflege ernst nimmt, was eigentlich immer der Fall ist. Am dritten Tag ist dann die ganze Brut braun um dann ab ca. dem 4. Tag durchsichtig zu werden. Von da an kann man bereits die Augen der Larven erkennen. Nun gilt es noch 3 bis 5 Tage zu warten, bis die Eihülle komplett durchsichtig ist. Am Schlupftag, dies kann je nach Temperatur am 7.,8. oder 9. Tag sein, sind an den Eischalen absolut keine braunen Stellen mehr zu sehen. Sie schimmern dann silbrig. Wenn dies eindeutig zu erkennen ist, wird der Schlupf in der folgenden Nacht erfolgen. Ein weiteres Merkmal ist auch, dass das Weibchen, welches sich die ganze Zeit kaum um die Brut gekümmert hat, nun vermehrt am Gelege anzutreffen ist.

Vorbereitungen

Nun gilt es einige Vorbereitungen in Angriff zu nehmen.

Am Aufzuchtbecken

Als erstes sollte nun das Aufzuchtbecken wie zuvor beschrieben eingerichtet werden. Der Heizstab sollte zuvor auf die Temperatur des Ablaichbeckens justiert werden. Dies erfolgt am genauesten, wenn man den Heizstab ins Ablaichbecken hängt und nach ca. einer halben Stunde den Ein- und Ausschaltpunkt sucht und den Regler genau in die Mitte stellt. Denn auf die Skalen kann man sich meist nicht verlassen. In dieses Becken bringt man etwa 3-5 cm Wasser aus dem Ablaichbecken ein. Mehr hat keinen Sinn, denn mit dem Abschöpfen der Larven bringt man noch genug Wasser ein und wenn es nach dem Abschöpfen noch nicht voll ist kann man immer noch nachfüllen.

Am Ablaichbecken

Gleichzeitig mit dem Lichterlöschen müssen die Pumpen, Abschäumer und sonstige Technik abgeschaltet werden. Damit man gut arbeiten kann sollte vielleicht auch die Lampe höher gehängt werden. Auch zu helle Lichtquellen im Raum sollten gelöscht werden. Die absolute Verdunkelung des Beckens ist nicht nötig, bei uns schlüpfen sie auch bei brennenden UV-Röhren die nur mit einem Badetuch zugehängt werden. Ist dann wie in einer Vollmondnacht. Jetzt braucht es nur noch etwa 2 Stunden Geduld, bis man nach den Larven sehen kann. Denn meistens sind nach dieser Zeit alle geschlüpft und man kann sie mit einer Taschenlampe an die Frontscheibe locken.

Hat man das laichende Pärchen im Gemeinschaftsaquarium, empfiehlt es sich auch schon nach einer Stunden nach zusehen, ob sie schon geschlüpft sind.

Denn je nach Besatz sind nach zwei Stunden wahrscheinlich schon viele Larven gefressen.

Abschöpfen

Nach der Wartezeit kann man jetzt mit Taschenlampe und Becher bewaffnet auf Larvenfang gehen. Die Taschenlampe befestigt man irgendwie über dem Becken, oder stellt sie auf den Glassteg, sodass der Lichtkegel der Frontscheibe entlang senkrecht nach unten leuchtet. Natürlich schaut man zuvor, ob denn der Laich auch wirklich weg ist. Ist die Taschenlampe nun in Position wartet man einige Minuten bis die Larven, vom Licht angezogen, im Lichtkegel bereits schon nach Fressbarem suchen. Unsere Larven sind eigentlich meist alle schon an der Frontscheibe, wahrscheinlich weil sie sich auch in der Natur ins Freiwasser begeben. Also es dauert meist wirklich nicht lange, bis man mit dem Abschöpfen beginnen kann. Dazu drückt man einen 1 Literbecher beinahe senkrecht ins Wasser, sodass der entstehende Sog über die Becherkante die Larven in den Becher zieht. Dieser Sog wirkt sich bis in ca. 20cm Wassertiefe aus, sodass schon beim ersten Versuch viele Larven im Becher landen. Kurz bevor der Becher voll ist ziehen wir ihn aus dem Wasser und kippen die wertvolle Fracht sehr vorsichtig ins Aufzuchtbecken. In der Zwischenzeithaben sich bereits wieder neue Larven im Lichtkegel versammelt und das Spiel geht wieder von vorne los. Dies macht man solange, bis keine Larven mehr im Ablaichbecken zu finden sind.

Nun kann im Ablaichbecken die Technik wieder in Betrieb genommen werden.

Im Aufzuchtbecken stellt man jetzt die zuvor justierte Heizung und die Luftversorgung an. Falls das Becken nun noch nicht gefüllt ist, kann man dies noch vorsichtig tun. Wir haben aber meist bereits genügend Wasser überführt, dass man eher zwischen durch wieder etwas Wasser durch einen Filter abziehen muss.

Will man die Larven einem Gemeinschaftbecken entnehmen hat man natürlich nicht soviel Zeit, da sicher dem einen oder anderen Fressfeind die mögliche Zwischenmahlzeit nicht entgehen wird. Da empfiehlt es sich die Absaugmethode mit einem Schlauch anzuwenden, aber ein 4mm Luftschlauch erzeugt zuwenig Sog, denn da lachen die Larven nur undzucken mit einem Ruck davon. Es ist erstaunlich welche Kraft und Schnelligkeit ein so kleines Wesen in einem so dichten Medium erreichen kann. Also ein 8-10mm Schlauch sollte es schon sein. Aber aufgepasst, ein 10 Literkübel ist so ganz schnell voll, noch bevor wir alle Larven erwischt haben. Weil man mit dieser Methode viel mehr Wasser aus den Ablaichbecken entnimmt kommt dann ganz sicher wieder die „Durchdenfilterabsaugmethode“ zum Zug. Dass mit der Absaugmethode, vor allem für die Larven viel mehr Hektik im Spiel ist versteht sich von selbst. Da ist zum Beispiel die Achterbahnfahrt durch den Schlauch und dann das Karussellfahren im Kübel, da geht’s nämlich rund! Und richtig die Verluste bis zum nächsten Morgen sind eindeutig grösser. Nun kann man natürlich sagen: die Schwächsten haben nichtüberlebt, im Meer hätten sie wohl auch keine Chance gehabt. Wir lassen dies einfach mal so stehen, denn wir sind uns auch nicht 100%ig sicher was denn nun besser ist. Wir wenden jedoch meist die Bechermethode an.

Das Licht

Was soll denn nun richtig sein?

24 Stunden Licht oder 3 Stunden Nachtruhe oder der normale Tag/Nachtrythmus)

Man liest in verschiedenen Berichten in Büchern, Zeitschriften und auch im Internet, dass es notwendig sei, unbedingt die ersten Tage das Licht 24 Stunden brennen zu lassen. Dies war uns schon vom ersten Schlupf an nicht sympathisch und so haben wir damals schon 3 Stunden Nachtruhe geschalten. Doch auch dies war uns bald nicht natürlich genug und so stellten wir um auf den normalen Tag-/Nachtrhythmus.

Mit Blick in die Natur scheint es uns nicht nötig den Larven mit 24-stündiger „Bestrahlung“ auf die Pelle zu rücken. Nachunseren Erfahrungen reicht es also wenn man nach dem Überbringen der Larven ins Aufzuchtbecken bis zum nächsten Morgen das Licht ausschaltet.

Die Ernährung

Auch dies ein Thema, bei welchem wir uns immer wieder fragen, ob neue Berichteschreiber einfach den Altenabschreiben!

Meist liest man, dass es ohne die sogenannte Grünwassermethode nicht ginge, oder dass die Larven nachts auf Jagdgingen, oder dass die Larven in den ersten Tagen noch gar nicht jagen und sie somit im Futter stehen müssten, was immer das auch heisst?

Bei uns trifft alles so nicht zu.

- Wir haben immer klares Wasser!

- Nachts schlafen unsere Larven dicht aneinander gedrängt an den Silikonnähten

- Wir geben von der ersten Stunde an Brachionus in mässiger Dichte, ca. 200’000 Stück auf 20 Liter Wasser

- Wir geben die ersten 6 Tage Brachionus,

- Ab dem 6.-7. Tag gibt’s dann frischgeschlüpfte Artemien, ältere vertragen sie noch nicht, dies mussten wir übrigens selbst erfahren. Der Ausfall des ganzen Schlupfes war die Folge.

- Staubfutter gibt’s dann ab dem 12. Tag und je nach Grösse der Larven auch schon feines Granulat

- Feines Flockenfutter und gefrorene Lobstereier ab dem 30. Tag

Die Fütterung erfolgt meist nur abends.

Die Umstellung von lebendem Futter auf „totes“ ist übrigens bei diesen gierigen Allesfressern nie ein Problem!

Tägliche Arbeiten

Den Verdunstungsausgleich haben wir erst kürzlich auf ganz einfache weise halbautomatisiert. Ein Tropfen alle 3-5 Sekunden reichen um den Wasserstand konstant zu halten. Seit wir dies so machen sind die Verluste sichtbar zurückgegangen. Daraus schliessen wir, dass Dichteschwankungen nicht sehr gut vertragen werden und man darauf besonders achten sollte.

Noch einfacher ist es das Becken mit einer Plexiglasscheibe abzudecken, so ist die Verdunstung praktisch vernachlässigbar.

Den Teilwasserwechsel passiert zusammen mit der Bodenreinigung, für welche ich mir einen Scheibenschaberumgebaut habe.

Es hat sich aber gezeigt, dass es absolut genügend ist, den Boden alle 2/3 Tage abzusaugen, vorausgesetzt es sind nicht zu viele toten Larven vorhanden.

Sobald die Kleinen Farbe bekennen und auch keine Brachionus mehr verfüttert werden, also ca. ab dem 6. Tag stellenwir das Becken auf Durchlauf um. Das heisst es wird wieder an der ganzen Anlage im Parallelbetrieb betrieben.

Ein kontinuierlicher Wasserwechsel also!

Entwicklung der Larven

Wenn nun alles so einigermassen zusammen stimmt, hat man das Vergnügen die Entwicklung der kleiner Racker zu verfolgen und zu beobachten.

Es ist immer wieder von Neuem einmalig!

Nun lasst euch ein wenig anstecken.

1. - 15. Tag

15. Tag bis ca 3 Monate

Verhalten der Jungfische

Nachts schlafen sie meist zu mehreren zusammengedrängt an den Silikonnähten und Tags kann es unterschiedlich sein. Meistens schwimmen sie durch das ganze Becken wild durcheinander. Zwischendurch gibt es dann wieder Schlüpfe, wo sie sich meist dicht versammelt an der Scheibe an der Wasserlinie aufhalten.

Nun hört man auch immer mal wieder, dass Nachzuchten nicht in Anemonen gingen. Ich wusste schon länger, dass wenn ich sie mit ca. 1.5-2cm in ein normales Artenbecken umsiedle, dass sie meist nach kurzer Zeit die Anemonen „belästigen“. Was geschieht nun aber, wenn man bereits in das kleine Aufzuchtbecken eine Anemone gibt. Dies haben wir dann mal gemacht mit einer Quadricolor. Die Fischli sind vielleicht gerade mal 6-8mm und ca. 25 Tage alt.

Was dann passierte hat mich erst ein wenig enttäuscht. Es gab keinen direkten „Angriff“ der ganzen Bande auf die Anemone. Der eine oder andere zeigte etwas Interesse, aber mehr war da nicht. Einige machen es sich immer noch in windigen Ecken „gemütlich“, andere ziehen etwas ruhigere Orte vor und dann gibt es noch solche die die ganze Nacht in der Strömung Überstunden schieben.

Sind sie dann etwas älter können sie der Anemone nicht mehr widerstehen, was der Film eindrücklich dokumentiert.

Wir wünschen allen die es versuchen wollen VIEL ERFOLG!